Funktionierender Markt
Im Berichtsmonat April konnten die Schrottpreise je nach Werk und Sorte sowie ausgehend vom Preisniveau des Vormonats um durchschnittlich € 10 bis zu € 25 pro Tonne zulegen. Die Schrottbeschaffung
war für Verbraucher, die sich preislich am unteren Ende der Spanne bewegten, nicht ganz unproblematisch, da die Nachfrage zum Teil höher war als das Angebot. Nachträgliche Korrekturen sicherten zumindest diesen Werken die Eindeckung mit den notwendigen Mengen. Werke mit Altverträgen in den Bestellbüchern, waren wenig kompromissbereit hinsichtlich des Zeitpunkts der Liefererfüllung. Die im
laufenden Monat von verschiedenen Werken nach oben angepassten Einkaufspreise und das Bestehen auf Auslieferung von Altverträgen zeigten, wie sich der Markt zunehmend verfestigte. Angespannt war
die Versorgungslage vor allem in Ostdeutschland. Erschwerend wirkte sich dort das im Vergleich zu Deutschland höhere innerpolnische Schrottpreisniveau aus, wodurch der Schrottzufluss aus Polen einerseits gebremst wurde und andererseits zu den deutschen Verbrauchern gelenkt wurde, die den höchsten Preis anboten. Im Osten Deutschlands wurden in diesem Monat die höchsten Preise aufgerufen.
In der ehemals preis- und mengenbestimmenden Ruhrregion konnten gleich am Monatsbeginn bei einem insgesamt nach wie vor sehr geringen Zukaufbedarf je nach Verbraucher und Sorte Preiserhöhungen
von € 5 bis € 20 pro Tonne durchgesetzt werden. Je nach Versorgungsgrad passten Verbraucher ihre Einkaufspreise noch im laufenden Monat an und verursachten damit eine zusätzliche
Schieflage im Handelsmarkt. Zudem gestaltete sich die Beschaffung dadurch nicht einfacher. Während die Schrottpreise anzogen, war es den Produzenten in diesem Monat kaum möglich, ihre Absatzpreise
diesem Trend anzupassen, womit der Kostendruck insbesondere auf die Elektrostahlwerke weiter angestiegen sein dürfte.

Nachbarländer
Normalen Bedarf auf Vormonatsniveau hatten die italienischen Verbraucher. Obwohl sie unveränderte Preise angedacht hatten, mussten sie zur Deckung des Bedarfs dem Markttrend in Drittländern und den
anderen EU-Ländern folgend, die Preise je nach Sorte und Ausgangsbasis im Vormonat um € 10 bis € 15 pro Tonne erhöhen. So wie die deutschen Kollegen mussten die italienischen Stahlhersteller um das
knappe Schrottangebot konkurrieren. Wie schon im Vormonat nutzten insbesondere Verbraucher mit hohem und speziellem Bedarf für die Beschaffung der gewünschten Mengen den Seeweg. Sie bestätigten
damit den auch in Deutschland und anderen Ländern zu beobachtenden Trend, für die Versorgung neben den traditionellen Quellen alternative heranzuziehen und auszuprobieren. In der Schweiz mussten
die Verbraucher € 10 bis € 17 pro Tonne mehr gegenüber dem Vormonat bezahlen. Der Zulauf wurde als ausreichend beschrieben und die Bestandssituation soll sich entspannt haben. Französische Verbraucher erhöhten die Einkaufspreise um € 15 bis € 20 pro Tonne und konnten über den höheren Preis zusätzliche Mengen unter anderem aus dem Westen Deutschlands generieren. Nachdem die Versorgung
in Luxemburg bei zuerst in den Markt gegebenen unveränderten Preisen schleppend erfolgte, passte man sich dem Trend aus den Niederlanden und Belgien mit einer Erhöhung je nach Sorte und
Verbraucher von € 8 bis € 15 pro Tonne gegenüber dem Vormonat an. Der tschechische Inlandspreis war höher als der Angebotspreis aus Deutschland, was genau wie in Polen den Schrottzufluss automatisch reduzierte. Beobachter meldeten zudem ein für diese Jahreszeit geringeres Sammelaufkommen als sonst übliches. Die Einführung des Barzahlungsverbots im tschechischen Schrotthandel scheint sich immer noch negativ auszuwirken.

Drittlandsmarkt
Vom 23. März bis zum 20. April haben türkische Verbraucher rund 1,3 Mio. Tonnen Schrott gekauft und dabei 11 Ladungen auf dem Kontinent. Dabei ordern die türkischen Verbraucher bei ihren Zukäufen
nach wie vor nur die Mengen, die sie unbedingt brauchen. Eine Lagerhaltung im klassischen Sinne wirdvernachlässigt. Interesse bestand verstärkt an prompten Lieferungen und wie aus Handelskreisen bestätigt wurde, verlangten die Käufer eine zügige Abwicklung. Der Preistrend zeigt wegen der hohen Nachfrage der türkischen Werke nach oben. Dennoch ist der Preis für die Sorte HMS 1/2 (80:20) CFR Türkei aus Europa im vorgenannten Zeitraum mit US-$ 8 bis US-$ 12 pro Tonne nur moderat angestiegen. Dietürkischen Verbraucher versuchen, die Preise möglichst unverändert zu halten, da es ihnen bisher nicht gelungen ist, die gestiegenen Schrottkosten an ihre Abnehmer weiterzugeben. Der Konkurrenzdruck im Baustahlmarkt ist so intensiv, dass statt der erhofften Preiserhöhungen, Preisnachlässe gewährt werden mussten. Es gibt derzeit keine Anzeichen einer Abschwächung der türkischen Nachfrage, obwohl die Wettbewerbsfähigkeit der Elektrostahlwerke zusätzlich durch das Auseinanderdriften der Erz- und Schrottpreise stark belastet ist.

Gießereien
Wie aus Handelskreisen berichtet wurde, lässt die verbesserte Nachfrage nach Schrott darauf schließen, dass einige Gießereien optimistischer in die Zukunft blicken können, weil sich deren Auftragslage verbessert hat. Für frei verhandelte Schrottmengen bezahlten die Verbraucher je nach Region, Sorte und Werk € 5 bis € 15 pro Tonne mehr, wobei beispielsweise die Schrottverbraucher im Osten am oberen Ende der Preiserhöhung agierten. Andere Hersteller versuchen mit Kurzarbeit und Feierschichten auf den für sie schwachen Markt zu reagieren. Gießereiroheisen wird von den GUS-Anbietern seit der vergangenen Woche zu höheren Preisen angeboten. Die russischen Anbieter machen sich das mangelnde Angebot aus der Ukraine und die steigenden Schrottpreise zu Nutze. So hat zum Beispiel der größte russische Anbieter, Tulachermet, seine Exportverkaufspreise um US-$ 20 pro Tonne in der 16. Kalenderwoche angehoben. Da der Wert des Euro gegenüber dem US-Dollar wieder gestiegen ist, wirkt sich die Erhöhung für die Abnehmer in Euro nicht ganz so deutlich aus.

Aussichten
Die meisten der befragten Handelsunternehmen gehen von einer stabilen seitwärts Bewegung der Preise im kommenden Monat aus. Preisrückgänge werden als vernachlässigbare Möglichkeit angesehen.
Die Auftragslage insbesondere der Elektrostahlwerke steigt seit Januar und damit die Nachfrage nach Schrott. Das Schrottangebot war im Berichtsmonat knapp und nicht alles war wie gewünscht beschaffbar, so dass möglicherweise nicht alle Werke ihren Bedarf im gewünschten Umfang decken konnten. Das vorhandene Wirtschaftswachstum wird sich mit einer gewissen zeitlichen Verzögerung positiv auf den Schrottentfall auswirken. Im Bereich Altschrott ist die Sammelleistung im Frühjahr gestiegen, wenn auch nicht in dem Umfang wie erwartet bzw. angesichts der Nachfrage notwendig gewesen wäre. Zum Teil beklagt der Handel einen Rückgang des Entfalls und zwar sowohl beim Alt- als auch beim Neuschrott. Andere Marktteilnehmer können dies nicht bestätigen. Wie lange es dauert, bis Angebot und Nachfrage wieder ausgeglichen sind, ist kaum vorherzusagen. Auf alle Fälle werden die Verhandlungen zwischen den Marktteilnehmern im kommenden Monat sicherlich intensiv geführt.

Quelle: BVSE, B. Guschall-Jaik April 15 bvse – Nr. 70